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Rapperswil-Jona
14.02.2026
15.02.2026 09:45 Uhr

Joe Kunz: «Der Meienberg ist eine pragmatische Lösung»

Stadtrat Joe Kunz: «Man kann Modulbauten nicht einfach hinstellen und fertig».
Stadtrat Joe Kunz: «Man kann Modulbauten nicht einfach hinstellen und fertig». Bild: zVg
Die «IG Pflegezentrum Meienberg» will am Meienberg in Jona ein Integrationszentrum für Flüchtlinge und Asylbewerbende verhindern. Stadtrat Joe Kunz nimmt Stellung.

Nach dem Auszug des Pflegezentrums aus den Gebäuden am Meienberg Jona soll dort gemäss einer IG statt einem Integrationszentrum ein «quartierverträgliches Wohnprojekt» entstehen. (www.igpzmeienberg.ch)

Im Bericht von vorgestern hat Linth24 aufgezeigt, dass die Stadt mit dem vom alten Stadtrat aufgegleisten Integrationszentrum bis 2 Millionen Franken sparen könnte.

Die Wohn-Initiative wird ziemlich sicher zustande kommen. Und damit stünde der Stadt mit dem Meienberg eine Abstimmung mit hohen finanziellen und moralischen Aspekten bevor.

Linth24 hat mit Stadtrat Joe Kunz ein Interview geführt.

Joe Kunz, FDP und SVP unterstützen – trotz ihres Spar-Auftrags an den Stadtrat – die kostentreibende Initiative der «IG Pflegezentrum Meienberg». Halten Sie trotzdem am Integrationszentrum fest?
Wir nehmen die Diskussion nach Wohnraum ernst. Gleichzeitig müssen wir ein Problem lösen und den in unserer Stadt lebenden Menschen aus dem Asyl- und Flüchtlingsbereich eine Unterkunft bieten. Das Ende 2026 freiwerdende Pflegezentrum Meienberg ist dafür eine pragmatische Lösung. Sie ist einfach realisierbar und das Gebäude wird mit wenigen Eingriffen dafür nutzbar gemacht. Und es kommt dazu: Die Initiative und das von uns geplante Wohn- und Integrationszentrum als Zwischenlösung schliessen sich gegenseitig nicht aus.

«Nicht laufend Wohnungen anmieten.»
Joe Kunz

Sie meinen, dass der Meienberg nach der Zwischennutzung als Integrationszentrum für ein Wohnprojekt genutzt werden kann.
So ist es. In Zeit der Zwischennutzung kann für den Meienberg ab 2035 ein neues und durchdachtes Nutzungsprojekt entwickelt werden.

Die Gegner kritisieren, es fehle bei der Asylunterkunft eine Strategie. Was entgegnen Sie?
Den Vorwurf muss ich zurückweisen. Wir haben Pflichtaufgaben, die keinen Aufschub dulden. Wir müssen die Unterbringung der uns zugeteilten Menschen aus dem Flüchtlings- und Asylbereich sicherzustellen. Vorzugsweise so, dass wir nicht laufend Wohnungen auf dem freien Markt anmieten müssen.

Laut den Kritikern sind 500'000 Franken für den Umbau des Meienbergs in ein Integrationszentrum unrealistisch. Wer hat recht?
Der Meienberg ist kein Neubau. Genau deshalb sprechen wir von einer Zwischennutzung «im bestehenden Zustand». Die Kosten von rund einer halben Million beziehen sich auf die nötigen Anpassungen inklusive Mobiliar. Die bisherigen Abklärungen zeigen, dass die 500'000 Franken ausreichen.

Wie steht es mit den Betriebskosten?
Betriebskosten gibt es bei jeder Variante, also auch bei Modulbauten, sprich Container-Bauten. Der Unterschied ist: Wenn wir das Pflegezentrum Meienberg nicht zwischennutzen, zahlen wir weiterhin hohe Beträge für angemietete Unterkünfte und haben zusätzlich Kosten beim Leerstand Meienberg. Das wollen wir verhindern.

«Wir mieten Wohnungen für monatlich über 100'000 Franken.»
Joe Kunz

Für wie viel Geld hat die Stadt Wohnungen für Personen aus dem Asyl und Flüchtlingsbereich angemietet – und wieviel würde mit der Lösung Meienberg Stand heute eingespart werden?
Stand heute mieten wir Wohnungen im Betrag von monatlich über 100'000 Franken. Dies für rund 250 Personen. Das Wohn- und Integrationszentrum Meienberg soll ca. 50 Personen beherbergen. Wir gehen daher davon aus, dass angemietete Wohnungen für 20'000 bis 30'000 Franken pro Monat nicht mehr benötigt werden.

Weshalb hat der Stadtrat die Modulbauten auf dem Lido-Parkplatz verworfen?
Das Problem bei Modulbauten ist nicht nur die Anschaffung, sondern wo es geeignete Flächen gibt, die baurechtlich und infrastrukturell funktionieren. Genau da wird es schwierig. Man kann Modulbauten nicht «einfach hinstellen und fertig». Sie brauchen Erschliessung, Bewilligungen, und in vielen Fällen ist mit langen Verfahren zu rechnen. Beim Meienberg haben wir ein bestehendes, leerstehendes Gebäude, das wir mit wenig Unwägbarkeiten nutzen können.

«Ein neuer Standort kostet Zeit, Geld und Verfahren.»
Joe Kunz

Was ist, wenn der Meienberg wegen der Initiative als Wohn- und Integrationszentrum nicht kommt?
Dann wird die Stadt ab 2027 ein leerstehendes ehemaliges Pflegezentrum haben, das unnötige Kosten verursacht. Zudem müssten wir weiterhin in ähnlichem Umfang Wohnungen anmieten, je nach Entwicklung sogar noch mehr. Das verteuert die Unterbringung der Personen aus dem Asyl- und Flüchtlingsbereich und reduziert das Angebot an bezahlbarem Wohnraum für alle. Obendrein müssten wir einen neuen Standort für ein mögliches Wohn- und Integrationszentrum finden, was ebenfalls Zeit, Geld und Verfahren bedeutet. 

Eine andere Frage noch: Dass der Meienberg Ende 2026 frei wird, weiss man ja schon lange. Wann wurde das Wohn- und Integrationszentrum aufgegleist und warum hat man zum Zeitpunkt des Entscheids nichts erfahren?
Anfangs 2024 hat sich damals eine Arbeitsgruppe des Themas angenommen und der damalige Stadtrat entsprechende Entscheide zum Integrationszentrum im Meienberg gefällt. Der neu zusammengesetzte Stadtrat hat im Frühjahr 2025 den Entscheid bestätigt und umgehend anfangs Sommer entsprechend kommuniziert.

Bruno Hug
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