Kleider machen Weesner Heilige
Wer denkt, Restaurierung sei nur sanftes Aufpolieren alter Statuen, wurde beim zweiten Begleitanlass der aktuellen Sonderausstellung im Museum Weesen eines Besseren belehrt. Restauratorin Sylvia Fontana nahm die Anlass-Besucherinnen und -Besucher mit auf eine faszinierende Reise in die Geschichte und Seele der Dominikanerfiguren.
Einst standen sie im Klösterli in Weesen stolz da: Katharina von Siena, Heinrich Seuse, Thomas von Aquin, Petrus von Verona und der heilige Dominikus – mit klaren Attributen, Farbe und Botschaft. Doch die Zeit hinterliess ihre Spuren: das Holz wurmstichig, Farbe und Attribute verschwunden, die Figuren «fassungslos» und «identitätslos».
Restaurierung als Detektivarbeit
Die Expertin zeigte dem interessierten Publikum in Weesen, dass Restaurierung Detektivarbeit ist; von der akribischen Recherche bis zur genauen Analyse der historischen Materialien. Fast ebenso aufwändig ist auch die Dokumentation der unzähligen Arbeitsschritte. Aber Restaurierung ist auch Lust und Freude! Besonders beeindruckend war, mit welcher Hingabe die Restauratorin über die jahrhundertealten Materialien sprach – vom gut zu bearbeitenden Lindenholz, über die Kalkfarbe, bis zu den Pigmenten, den Ölfarben und dem feinen Blattgold. Letzteres durfte sich unter dem Scheinwerferlicht des Ausstellungsraumes und unter den Händen der Kennerin und Könnerin glänzend in Szene setzen.
Klosterschwestern halfen bei Restaurierungsprozess
Wesentlichen Anteil an der gelungenen Restaurierung der Figuren hatten auch die Schwestern des Klosters Weesen. Mit ihrem tiefen Wissen über die Geschichte der Gemeinschaft und der Heiligen unterstützten sie Sylvia Fontana, beantworteten Fragen zu ursprünglichen Details und halfen mit, die Identität der Figuren authentisch zu bewahren, ja in neuer Würde erstrahlen zu lassen.
Am Ende des Restaurierungsprozesses haben Dominikus, Katharina, Heinrich, Thomas und Petrus «ihre braune Hülle» abgelegt, sind wieder in ihre authentischen Ordensgewänder «gehüllt» und haben innerhalb der ehrwürdigen Mauern des Klosters Maria Zuflucht wieder ihren Platz eingenommen – als verehrte Persönlichkeiten in der langen Geschichte des Dominikanerordens. Das Zusammenspiel von Achtsamkeit, überliefertem Wissen, exzellentem Handwerk, Kunstverständnis und Bewusstsein für die Vergangenheit und Gegenwart ist vorzüglich gelungen.
Ausstellung noch bis 26. April 2026
Die Ausstellung «VERITAS – Einblick in das Dominikanerinnenkloster Maria Zuflucht» ist noch bis zum 26. April 2026 im Museum & Galerie Weesen zu sehen und lädt ein, hinter die Kulissen des «Klösterlis» zu blicken und mehr zu den Dominikanerinnen und zu ihrem Wirken zu erfahren.
Informationen unter: museum-galerie-weesen.ch/aktuell.