GZO-Mann mit vielen Mandaten
- Ein Gastkommentar von Barbara Tudor, Herausgeberin Zürioberland24
Den Namen Jörg Kündig bringt man derzeit vor allem mit der GZO-Spitalkrise in Verbindung. Dort amtet er seit 2009 als Präsident des Verwaltungsrats. Doch Kündigs berufliche und politische Karriere ist weit umfassender. Der «Zürcher Oberländer» bezeichnete ihn in einem Artikel vom Oktober 2023 als «umtriebigsten und einflussreichsten Politiker im Kanton Zürich». Seine politische Karriere begann im Jahr 1992 als Vorstandsmitglied der FDP des Kantons Zürich, seither ging sie steil bergauf. Nur eine verpasste Regierungsratskandidatur gehört zu den Niederlagen in seinem politischen Curriculum Vitae.
Lange Liste von Mandaten
Der 64-jährige Kündig ist heute nicht nur GZO-Chef, Kantonsrat, Präsident der Gemeindepräsidien im Kanton Zürich und Gemeindepräsident von Gossau ZH. Dazu kommen etliche weitere Mandate. Im Überblick:
- Präsident der Genossenschaft Regionales Skispringzentrum Zürcher Oberland (seit 1999)
- VR-Präsident und Geschäftsführer der UBITUS AG (seit 2000)
- VR-Präsident und Geschäftsführer der Gunitron AG (seit 2002)
- Gemeindepräsident Gossau ZH (seit 2002)
- Stiftungsrat von RADIX, Schweiz. Stiftung für Gesundheitsförderung (seit 2004)
- Verwaltungsrat der RAHN AG (seit 2004)
- VR-Präsident und Geschäftsführer der JK Beteiligungen AG (seit 2004)
- VR-Präsident der GZO AG (seit 2009)
- Präsident des Gemeindepräsidentenverbands Bezirks Hinwil (seit 2010)
- VR-Präsident der H. Neukom AG (seit 2010)
- Oberst i Gst / Of z Vf Kdt Infanteriebrigade 7 (seit 2011)
- Präsident des Schulrats Wirtschaftsschule KV Wetzikon (seit 2011)
- Präsident des Gemeindepräsidentenverbands Kanton Zürich (2014)
- Vizepräsident des CH-Gemeindeverbands (seit 2021)
Quelle: Kantonsratsseite von Jörg Kündig (Stand 9.8.24)
Ein Engagement fehlt auf der langen Liste
Ein nicht unbedeutendes Engagement fehlt auf der langen Liste der Interessensbindungen als Kantonsrat: Seit Juli 2023 ist Jörg Kündig zusätzlich Verwaltungsratsmitglied der Kantonalen Gebäudeversicherung (GVZ), wie er auf seiner eigenen Website joerg-kuendig.ch angibt.
Man darf sich angesichts der vielen bestehenden Engagements fragen: Warum noch ein weiteres Engagement? Und warum fehlt dieses seit über einem Jahr auf der Liste der Interessensbindungen auf seiner Kantonsrats-Website?
Angesichts der aktuellen Herausforderungen mag die Aktualisierung einer Kantonsrats-Website eine Nebensächlichkeit sein. Vielleicht ist es ihm und seiner Entourage auch einfach durch die Lappen gegangen. Unbedeutend kann das Engagement bei der GVZ jedenfalls nicht sein, denn auf seiner eigenen Website listet er es gar unter «Beruf».
Viel wichtiger aber ist die Frage: Warum hält Kündig überhaupt so viele Engagements und nimmt sogar noch ein neues an? An Langeweile kann es nicht liegen. Im Interview mit dem «ZO» vom Oktober 2023 sagte er: «Es ist schon so, ich bin eigentlich immer in irgendeiner Funktion unterwegs.» Man müsse sich halt gut organisieren.
Im Interview mit Zürioberland24 von Ende Mai 2024 sagte er auf die Frage, ob das nicht zu viele Mandate seien und ihn nicht überfordern würden: «Wichtig sind funktionierende und verlässliche organisatorische Strukturen. Diese sind unabdingbar. Dazu gehören aber auch die Kraft und Energie und ein Umfeld, welche das möglich machen. Diese Grundlagen sind da und machen dieses Engagement möglich.»
Konfliktpotenzial wird grösser
Das eine oder andere gelistete Engagement von Kündig mag unbedeutender und wenig zeitintensiv sein, und er mag dank eines gut funktionierenden Umfeldes nach wie vor vieles unter einen Hut bringen. Man darf sich aber fragen, ob 13 Präsidiums- bzw. Verwaltungsratsmandate noch gesund, vor allem aber für die einzelnen Themenbereiche bzw. für die Allgemeinheit förderlich sind.
Ungut wird es vor allem dann, wenn durch die verschiedenen Engagements Interessenskonflikte entstehen. Und die sind bereits Tatsache. So muss Kündig beispielsweise als Gemeindepräsident von Gossau, wenn die GZO-Aktionärsgemeinde im Gemeinderat oder an Gemeindeversammlungen über wichtige Entscheide befinden muss, in den Ausstand treten. Das muss neben Kündig bereits ein zweiter Gemeinderat tun, weil es persönliche Verbindungen zum GZO gibt (wir berichteten). Das ist weder für das GZO noch für die Gemeinde Gossau förderlich. Durch jedes weitere Engagement, wie das bei der GVZ, dürfte es nicht eben besser werden.
Nebenbei ein hübsches Sümmchen
Auch wenn die Entlöhnung der Verwaltungsräte gemäss Verwaltungsratsstudie 2023 der BDO leicht zurückgingen, verdienen Mitglieder eines Verwaltungsrats von kleinen und mittleren Unternehmen in der Schweiz durchschnittlich etwa 21'000 Schweizer Franken pro Jahr. Mit durchschnittlich etwa 28'000 Schweizer Franken liegt die Entschädigung von VR-Präsidenten und VR-Delegierten am höchsten. So dürfte auch für Jörg Kündig alleine durch seine diversen Engagements als Verwaltungsratspräsident bzw. Verwaltungsratsmitglied jährlich ein schönes Sümmchen zusammenkommen.